Weniger Flächen für Windkraft

Regionaler Planungsausschuss beschließt Standorte in den Landkreisen Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen

Strom aus Wind: Bei der Festlegung von Flächen für Windkraftanlagen spielen die Abstände zu Ortschaften eine große Rolle. Hier im Bild der Karlstadter Stadtteil Heßlar.

vergrößern

Mit der Frage, wo künftig in den Landkreisen Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen (Planungsregion 2) noch Windräder aufgestellt werden können, befasste sich der „Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands“ in einer Sitzung im Landratsamt Main-Spessart. Fazit: Vor allem bei den bisherigen Standorten können künftig neue Windkraftanlagen hinzukommen oder die bisherigen irgendwann durch leistungsstärkere ersetzt werden. Doch wurden etliche der bisher vorgesehen Flächen verkleinert. Nur wenige völlig neue Flächen sollen für Windkraft zur Verfügung stehen.

Außerdem soll es im Spessart nur zwei kleine Flächen mit insgesamt 130 Hektar geben, auf denen Windräder aufgestellt werden können: eine im Norden an der Grenze zu Hessen und eine ganz im Süden des Spessarts. Im Gegensatz dazu eigne sich der Odenwald zur Ausweisung von Zonen für Windkraft, stellte die Regionsbeauftragte Brigitte Ziegra-Schwärzer in der Sitzung fest. Der Steigerwald wurde ausgeklammert. Bekanntlich wird hier eine Ausweisung als Nationalpark diskutiert.

Abstände zu Ortschaften

Insgesamt rund ein Prozent der Fläche der drei Landkreise soll künftig für Windkraftanlagen zur Verfügung stehen. Das hat der Planungsausschuss mit großer Mehrheit beschlossen. Bei der Festlegung auf diese Flächen spielten vor allem die Abstände zu Ortschaften eine Rolle, aber auch beispielsweise der Landschaftsschutz, Wasserschutzgebiete oder Brutplätze von bedrohten Vogelarten wie der Wiesenweihe oder des Wespenbussards.

Für 23 sogenannte Vorranggebiete mit zusammen rund 2382 Hektar (0,8 Prozent der Regionsfläche) und zwölf Vorbehaltsgebiete mit 584 Hektar (0,2 Prozent der Fläche) hat sich der Ausschuss ausgesprochen. Er folgte damit den Vorschlägen von Brigitte Ziegra-Schwärzer, die eine 500 Seiten starke Auswertung des ersten Anhörungsverfahrens zur Windkraftnutzung verfasst hatte. Diese soll in überarbeiteter Fassung in der übernächsten Woche im Internet für alle Bürger zugänglich gemacht werden.

Gleich zu Beginn der Sitzung meldeten der Zellinger Bürgermeister Wieland Gsell und der Würzburger Stadtrat Patrick Friedel (beide Grüne) Bedenken gegen die Beschlussvorschläge an. Gsell kritisierte, das Thema Klimaschutz werde überhaupt nicht berücksichtigt. Der Schwerpunkt liege vielmehr auf der Akzeptanz für Windräder. Es könne aber nicht sein, „dass diejenigen berücksichtigt werden, die am lautesten schreien“.

Eingangs hatte Main-Spessart-Landrat Thomas Schiebel, der Verbandsvorsitzender ist, erklärt, die Regierung versuche mit der Abstandregelung (10 mal Höhe) zu Ortschaften eine Regel vorzugeben, innerhalb derer die Gemeinden einvernehmliche Lösungen herbeiführen können.

Friedl kritisierte, zusätzlich zu dieser Abstandsregelung wolle die Regionalplanung den Ausbau der Windkraft restriktiv einschränken. Er und Gsell stimmten in der Folge in vielen Fällen gegen die Reduzierung der einzelnen Windkraftflächen. Auch Heidi Wright trug den abschließenden Beschluss nicht mit. Sie erinnerte daran, dass Main-Spessart auf dem Stromsektor bis 2035 energieautark werden will.

Landrat Thomas Schiebel entgegnete, man könne sich nicht über raumplanerische Belange hinwegsetzen. Bei der Behandlung der einzelnen Gebiete wurde etwa die Hälfte der Beschlüsse einstimmig gefasst, bei den anderen stimmten einige wenige Ausschussmitglieder dagegen.

Konfliktschwerpunkte nannte Brigitte Ziegra-Schwärzer die Gebiete bei Prichsenstadt und Binsbach/Hausen. Die Fläche nordöstlich von Prichsenstadt wird aufgrund des denkmalschützerisch wertvollen Ensembles von Prichsenstadt gestrichen. Ebenso wird das Gebiet südwestlich von Binsbach beziehungsweise nordwestlich von Hausen verkleinert. Maßgeblich dafür sei aber nicht der Widerstand in der Bevölkerung, sondern das Wasserschutzgebiet.

Ganz gestrichen werden weiterhin folgende Gebiete: östlich Obersfeld, nordöstlich Schwebenried, nordöstlich Gramschatz, südöstlich Birkenfeld, östlich Neubrunn, nordwestlich Dettelbach und südlich Gnötzheim.

Stark verringert werden folgende Gebiete: südlich Obersfeld, südöstlich Schwebenried, südlich Steinfeld, nordöstlich Urspringen, nördlich Birkenfeld, nordwestlich Remlingen, südöstlich Leinach.

Vergrößert werden die Flächen südlich Retzstadt und südlich Helmstadt. Neu aufgenommen werden ein Vorbehaltsgebiet westlich Rimpar und ein Vorranggebiet nordwestlich Greußenheim.

Quelle: Mainpost 17.10.2014/ Karlheinz Haase