20.10. 2015 Revolutionäre willkommen

Ökologische Politik vor Ort: Die Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) für Rimpar wird 25 Jahren alt; im Bild: der langjährige IGU-Vorsitzende Hans Ullrich (links) und sein Nachfolger (seit 2013) Oliver Voll Foto: IGU

„Sie wollen Rimpar verändern? Revolutionäre willkommen“, wirbt die Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) für Rimpar in ihrem Flugblatt zur Jubiläumsfeier um neue Mitstreiter. Als die IGU vor 25 Jahren, am 25. Oktober 1990 nicht als Partei, sondern als eigenständiger Verein gegründet wurde, sorgte dies für Wirbel in der Gemeinde. Und auch heute noch zeigen sich die Rimparer Umweltschützer an Veränderungen interessiert.

Den Anstoß gab damals die Rimparer Müllabfuhr: Einige Bürger wollten nicht glauben, dass der hintere Platz Rimpars beim Müllaufkommen im Landkreis auf die Sparsamkeit der Bürger zurückging. Sie vermuteten, dass aufgrund der personenbezogenen Abrechnung der Müll in grauen Kanälen verschwindet. Die Bürger wollten nicht untätig zuschauen, gründeten die IGU und schlossen sich dem örtlichen Aktionsbündnis „Das bessere Müllkonzept“ an. Zu den neun Gründungsmitgliedern gehörte auch Uwe Dolata, der spätere Bundesvorsitzende der ÖDP.

Eine der häufigsten Fragen, die einer der Gründer, der langjährige Vorsitzende Hans Ullrich, zu beantworten hat, ist, warum sich die Umweltschützer nicht in einem Ortsverein der Grünen organisieren. „Wir hatten Sympathisanten verschiedener Couleur von Grün bis Schwarz in unseren Reihen“, lautet die Antwort. Parteistrukturen hätten andere Aktivitäten verlangt – zum Beispiel Wahlkämpfe. „Das wollten wir nicht!“

Auch Oliver Voll, der 2013 Hans Ullrich als Vorsitzenden abgelöst hat, sieht dies so. Für ihn ist es gerade die „Vielfalt der Meinungen, die im Verein Platz haben“, die die Interessengemeinschaft so spannend macht. „Wir sind einmalig“, erklärt er: „Das heißt auch, dass wir uns voll auf die Politik in Rimpar konzentrieren können.“ Ohne Rücksichten auf parteipolitische Befindlichkeiten. Vor Ort für die Umwelt wirken, nicht die bayerische Landespolitik ist bis heute das Ziel der IGU.

Dass Bürger mit eigenen Ideen am Ortsleben mitwirken wollen und aktiv ihre Rechte einfordern, war um 1990 noch ungewöhnlich. Eine Mülltonnenkontrolle durch die Gemeinde bei den Mitstreitern der IGU hatte 1992 offensichtlich das Ziel, dies nachzuweisen. Mit der bayernweiten Medienresonanz hatte damals keiner gerechnet. Auch als die Rechtmäßigkeit von 1600 Unterschriften für die Erhaltung der Brunnen angezweifelt wurde, schlägt dies Wellen. Am Ende soll sogar der bayerische Umweltminister als Vermittler hinzugezogen werden.

Erst 1995, als unter den IGU-lern der Eindruck entsteht, dass ihnen die Gemeinde keine andere Wahl lässt, rufen sie eine eigene politische Liste ins Leben. Das Vorbild für die Rimparer Liste – IGU war die „Margetshöchheimer Mitte“, die wie die IGU zeitgleich für die Erhaltung eigener Trinkwasserbrunnen kämpft. Gleich beim ersten Anlauf schaffen es mit Hans Ullrich und Sigrid Knoke zwei Kandidaten in den Gemeinderat.

Über Müll redet die IGU heute nur noch selten. Andere Themen der Ortspolitik sind in den Vordergrund getreten: Der verkehrsgeplagte Altort, die Umgehungsstraße, familienfreundliche Neubaugebiete und Gewerbegebiete prägen die politische Arbeit. Ein Leitbild soll her, an dem sich die Sanierung der Gemeinde weitsichtig ausrichten lässt. Die sachliche Zusammenarbeit der vier IGU-Räte mit den anderen Fraktionen ist dabei heute das erklärte Ziel für die Arbeit im Gemeinderat.

Quelle: Mainpost 20.10.2015



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